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Das innere Kind – Das Seminar

Der Weg

Wir brechen auf, und machen uns auf den Weg in eine unserer Seelenkammern, in der sich auch heute noch, wenn wir längst erwachsen sind, immer noch dieses Kind, das wir einmal waren, aufhält. Diese Kammer ist bei vielen Menschen mit einer schweren Eisentür versehen und gut verschlossen, so dass weder etwas hinein noch etwas heraus kann. Viele von uns haben zusätzlich einen Wächter vor diese Tür gestellt, der die Aufgabe hat, aufzupassen, dass niemand ungefragt in diese Kammer gelangt. Ihm haben wir einst diesen Auftrag erteilt, um seelisch überleben zu können und er führt diesen Auftrag getreu aus. Dieser Wächter denkt heute immer noch, wir wären das Kind von damals. Er denkt immer noch, dass wir auf die Hilfe, die Geborgenheit, die Liebe usw. von außen angewiesen sind, da wir ja noch klein und hilflos sind. Er weiß nicht, dass ein anderer Teil von uns heute längst erwachsen ist. Wenn wir genauer hinschauen, so können wir sogar feststellen, dass sich in dieser Kammer, im tiefen Areal unserer Seele, nicht nur ein Kind, sondern mehrere Kinder in unterschiedlichem Alter aufhalten. Manche von ihnen leben in verschiedenen Kammern und wissen nichts mehr voneinander. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie wollen nach hause. Und ihr zuhause ist unser Bewusstsein und unser Herz. Viele dieser Kinder schreien noch: „Ich bin da, warum hörst du mich nicht, warum ignorierst du mich? Warum fragst du mich nie, was ich erlebt habe und wie es mir heute geht? Zuerst haben unsere Eltern Teile von mir ignoriert und du hast genau da weitergemacht, wo sie aufgehört haben.

Ich bin das Kind in dir, das Kind, das lebendig sein und herum toben möchte, einfach so sein, wie ich bin, das Kind, das spontan zeigt, was gerade in mir ist, das Kuscheln und Neues ausprobieren möchte, das auch Fehler machen darf und das gerne Pommes isst. Ich bin das Kind, das von dir in den Arm genommen und von dir angenommen und geliebt werden möchte. Ich bin das Kind in dir – ich bin du!“

Die dunkle Seite des inneren Kindes

Wir wissen ja inzwischen, dass sich alles, was in uns verleugnet und abgelehnt wird, als Schatten, als Dämon, als Verhinderter, als Selbstzerstörer, als Angstgeschehen usw. hinter unserem Rücken in unser Leben schleicht.
Einst war der kindliche Anteil eine kraftvolle, lebensbejahende Gestalt, doch die fehlende Liebe zu ihr hat sie so hässlich gemacht, so dass sie angefangen hat, sich gegen sich selbst und damit gleichzeitig auch gegen uns zu richten, mit dem Ziel, ihr wieder gewahr zu werden und den Mut zu haben, uns umzudrehen und ihr ins Antlitz zu schauen und, wenn wir mutig genug sind, sie irgendwann lieben zu lernen. Dieses Kind sitzt also mit einem großen Nein in unserm Inneren, meist zutiefst verletzt oder trotzig und es wünscht sich nichts so sehr, als von uns geliebt zu werden.
Da wir dieses Kind nicht beachten, muss es sich z. B. in Form von Schmerzen, Wut, Hass, Trotz, Selbstbestrafung, Selbstmissachtung, Krankheit, Suchtverhalten, Zerstörung oder anderen Unannehmlichkeiten Gehör verschaffen. Doch auch diese Botschaften verstehen wir oft nicht und wollen sie auch nicht verstehen, weil wir vielleicht immer noch glauben, klein und hilflos zu sein nach dem Motto: „Ich bin klein, mein Herz ist rein und alle sind immer so gemein.“

Der Schatten

Das verletzte innere Kind, das da in unserem inneren Kerker eingesperrt ist, entwickelte ebenfalls eine Art Schattengestalt und diese Schattengestalt hat kein Problem, diesen Kerker zu verlassen und auch der Wächter der davor steht, lässt diese Gestalt passieren, denn diese beiden haben ein Bündnis miteinander geschlossen. Das dunkle Kind in uns hat sich auf seine Fahnen geschrieben: „Ich werde alle zerstören, die mich zerstören.“ Es ist ihm meist nicht bewusst, dass es sich letzten Endes immer selbst zerstört. Nur durch die Verbindung mit dem kindlichen Dämon, der aus den verdrängten Gefühlen der Wut entstanden ist, sind wir in der Lage, dessen unterdrückte Persönlichkeit zu stabilisieren, damit diese vom Schmerz der erfahrenen Verletzungen nicht aufgefressen wird.

Die Folgen der Abspaltung

Wenn wir dem Kind in uns keine Aufmerksamkeit geben, dann schleicht es als dunkle, zerstörerische Gestalt durch die Katakomben unserer Seele und mischt sich von da aus in unser Leben ein. Es fällt uns dann als Schatten in den Rücken und tut alles, um unsere traumatischen Situationen aus der Kindheit, die es erlitten hat, immer und immer wieder aufs Neue zu inszenieren. Es schafft Situationen, in denen wir uns unfrei, abhängig, süchtig und als Opfer, als Täter oder Versager erleben. Dies muss es so lange tun, bis wir unser Leiden nicht länger ertragen und bereit sind, uns ihm endlich zuzuwenden und ihm zuzuhören. Dazu sind wir aber in der Regel nicht freiwillig bereit, hieße es doch, die Eisentüren unserer Kindheit zu öffnen und uns mit all dem zu konfrontieren, was dahinter konserviert ist und von dem sich dieses dunkle Kind nährt: All unser erlittener Schmerz, unsere Scham, unsere Trauer, unsere Angst, unsere Wut, die Verzweiflung und Ohnmacht die wir als Kinder erlebten, genau so, wie unsere Freude, unsere tiefe und bedingungslose Liebe, unsere Neugier, unsere Kreativität, unser Glück, unsere kindliche Sexualität usw., die wir als Kinder nicht so leben durften, wie wir sie in uns vorfanden, da sie für die Erwachsenen zu bedrohlich waren. Das dunkle Kind hat sich geschworen, nichts mehr von anderen Menschen anzunehmen, schon gar keine Liebe. Immer, wenn wir uns ihm zuwenden möchten, reagiert es mit Abweisung. Es hat jedes Vertrauen in sich und die Welt verloren und fristet sein Dasein in den dunklen Kammern unserer Seele.

Heute bedrohen uns diese weggesperrten Gefühle und Empfindungen selbst und wir haben Angst, uns ihnen in ihrer Gänze zu stellen und ihnen standzuhalten. Von diesen verdrängten und abgespaltenen Gefühle ernährt sich das dunkle Kind. Wenn wir irgendwann den Mut haben, diese Mauern zu überwinden und uns ohne Angst, vom bodenlosen Schmerz in die Tiefe reißen und uns auf dieses Kind einzulassen, dann stoßen wir auf ein Wesen mit großer Traurigkeit und unendlicher Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit. Gleichzeitig wehrt es alles ab, was ihm hoffnungsvoll die Hand reichen könnte. Es war gezwungen, diese dunkle Gestalt anzunehmen, um als Opfer seiner Erlebnisse nicht ganz unterzugehen.

Dies möchte ich an folgendem Beispiel verdeutlichen:
Ein neugeborenes Kind wird nach der Geburt, aus welchen Gründen auch immer, von seiner Mutter getrennt. Diese Trennung löst beim Kind einen emotionalen Schock aus. Es fühlt sich von seiner Mutter nicht angenommen und verbündet sich aus enttäuschter Liebe mit seinem ganzen Schmerz gegen sie. So kann es die Mutter wenigstens abwehren und bekämpfen. Der markerschütternde Hilfeschrei des Neugeborenen verhallt ungehört und kein Elternpaar reicht ihm die rettende Hand. Dieses Kind, das aufgrund dieser Erlebnisse eine dunkle Erscheinung angenommen hat, fristet sein Dasein lieber in den Dunkelkammern des eigenen Schmerzes, der Wut und Enttäuschung, als sich noch einmal der Folter des Missbrauchs durch andere Menschen auszusetzen. So friert das Kind an dieser Stelle seines Erlebens ein, um sich vor diesem Schmerz zu schützen. Dieser kindliche Seelenanteil bleibt zunächst in diesem Erleben haften, auch wenn sich der Körper und andere Bereiche der Seele weiterentwickeln. Als Erwachsene wissen wir nichts mehr von diesem zutiefst verletzten Kind in uns und wundern uns, dass wir mitunter in unserem Leben so sehr leiden. Erst wenn wir bereit sind, uns diesem Kind in seinem Schmerz zuzuwenden, können wir diesen verletzten Seelenanteil wieder in unser Bewusstsein zurückholen, wo er heilen kann.

Die Hypnose des inneren Kindes

Wir alle sind hypnotisiert, d.h. wir brauchen uns nicht erst hypnotisieren zu lassen. Vom ersten Moment unseres Erdenlebens an war diese Hypnose wirksam. Diese Hypnose können wir auch als „Trancezustände“ bezeichnen. Das hat freilich nichts mit den Zuständen der Trance zu tun, in denen wir uns auf unseren Seelenreisen innerhalb der Einzelarbeit befinden.

Wie kommt es nun dazu, dass ein Kind seine dunkle Seite entwickelt?

Es sind Hypnosezustände, denen wir als Kinder ausgesetzt waren. Diese Hypnosezustände überfluten alle unsere Erfahrungen. Das Kind ist die „Versuchsperson“ und Mutter und Vater sind die Hypnotiseure. Eine solche Hypno – Suggestion könnte lauten:“ Du wirst das nicht tun“ oder „Wenn du tust, was ich dir sage, gebe ich dir meine Liebe und Zuneigung. Wenn du dich weigerst, wirst du es nicht bekommen.“ Das Kind fällt in eine Trance, in einen Zustand, in dem es absorbiert ist und es glaubt den Suggestionen der Hypnotiseure (der Eltern). Das Kind verinnerlicht diese Suggestionen, und suggeriert sie sich auch als Erwachsener ständig weiter. Wir kennen dieses Phänomen auch als Bildung von Glaubenssätzen. Es ist auch die dunkle Seite des inneren Kindes, das diese Postulate, diese Suggestionen verinnerlicht hat und diese in das Leben des Erwachsenen hinein hypnotisiert. Vor allem traumatische und schmerzhafte Erlebnisse halten uns in einer Hypnose gefangen und wenn wir als Erwachsene in eine ähnliche Situation geraten, die uns innerlich an die traumatische Situation erinnert, dann erleben wir die Wirkung dieser damaligen Hypnose wieder, fallen mit unserem ganzen Wesen und dem aktuellen Erleben in die damalige Situation zurück und blenden dabei unser Erwachsenenbewusstsein völlig aus.

Ich möchte dazu ein Beispiel nennen:
Ein Patient schilderte mir folgende Situation: Er lebt seit ein paar Monaten mit einer Frau in einer Liebesbeziehung und vor einigen Wochen ist er bei ihr eingezogen. An einem frühen Abend, als seine Frau, die im Außendienst arbeitet, zusammen mit einem ihrer Kollegen auf Kundenbesuch war, habe er plötzlich ein unangenehmes Kribbeln in seiner Magengegend wahrgenommen. Er habe versucht, dieses Gefühl zu ignorieren und sich abzulenken, was ihm allerdings nicht gelang. Allmählich habe er dann gemerkt, wie sich Eifersucht in seinem Inneren begann auszubreiten. Auch diesem Gefühl wollte er aus dem Weg gehen, doch wieder ohne Erfolg. Der Abend schritt voran und als es bereits zehn Uhr am Abend gewesen war, habe er es nicht mehr ausgehalten. Da er wusste, bei welchem Kunden sich seine Frau aufhielt, fand er auch dessen Telefonnummer heraus. Im Zustand völliger Hilflosigkeit und Angst, habe er dann erfahren, dass seine Freundin den Kunden, zusammen mit ihrem Kollegen, bereits vor zwei Stunden verlassen habe. Dies sei wie ein Todesurteil für ihn gewesen. Bilder seien durch sein Gehirn gerast, die ihm suggerieren wollten, was seine Freundin gerade mit ihrem Kollegen trieb. Er habe sich regelrecht von diesem inneren Film mitreißen lassen und hätte keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Es sei ihm auch nicht möglich gewesen, sich in irgendeiner Form abzulenken oder sich diesen inneren Gefühlen bewusst auszusetzen. Schließlich habe er sich in seinem Bett wieder gefunden,zusammengekauert wie ein Säugling. Er habe am ganzen Körper gezittert und die Angst sterben zu müssen, habe ihn fast aufgefressen. So war er diesem Zustand völlig ausgeliefert und nicht in der Lage, ihn zu beenden.
Als seine Freundin etwas später nach hause gekommen sei, habe sie ihn immer noch in diesem völlig ausgelieferten und verzweifelten Zustand angetroffen. Erst als sie liebevoll ihre Arme um ihn legte und ihn an sich drückte, habe er sich langsam beruhigen können. In diesem Moment war er nur froh, dass sie da und er nicht mehr alleine war. Als er langsam wieder sein erwachsenes Bewusstsein aktivieren konnte, sei es ihm nicht möglich gewesen, nachzuvollziehen, was da in seinemInneren geschehen war. Nur kurz habe er eine Wut auf seine Freundin gespürt, doch sei sie schnell dem Gefühl der Erleichterung, dass er nicht mehr alleine war, gewichen.Er sagte mir, dass er so etwas, zumindest während seines
Erwachsenenlebens, noch nie erlebt habe. Als ich ihn nach der Beziehung zu seiner Mutter fragte, meinte er nur, dass er sie nie als Mutter wahrgenommen hätte. Sie wäre immer irgendwie abwesend gewesen. Für mich war klar, dass hier eine frühere Verlustsituation, die er erlebt hatte, durch das Verhalten seiner Freundin wieder aktiviert wurde. All die Gefühle, die er damals, möglicherweise schon als Säugling, erlebt hatte, kamen zum Vorschein und reaktivierten diese damalige traumatische Situation. Sein erwachsener Anteil war in dieser Situation nicht präsent, da dieses verletzte Kind sich allen Raum genommen hatte. In einem nächsten Schritt begleitete ich ihn dabei, als er mit seinem erwachsenen Bewusstsein sich diesem verlassenen Kind langsam näherte und sich das, was er als dieses Kind in dieser Situation mit seiner Freundin erlebt hatte, mit dem Blick und der Liebe des Erwachsenen noch einmal anschauen konnte. Er war sehr überwältigt von dem Schmerz und der Angst dieses Kindes, das so viele Jahre unerhört und ungesehen in seinem Inneren sein Dasein fristete. So war es ihm möglich, es zum ersten Mal liebevoll in seine Arme zu nehmen, als Mutter und Vater gleichermaßen. Im Laufe der Zeit konnte dieses Kind, zu dem er jeden Tag in Kontakt ging, immer mehr Vertrauen zu ihm aufbauen und es war für uns beide ein sehr beeindruckendes Erlebnis, wie dieses Kind langsam anfing, ihm auch jene kindlichen Seiten wieder zu zeigen, die er, aus Angst und Schmerz, abspalten musste. So kehrte seine Lebendigkeit, seine Freude und nicht zuletzt auch seine Liebe wieder zu ihm zurück.

Anhand dieses Beispiels können wir auch sehen, wie aus diesem verletzten und abgespaltenen Kind ein dunkles Kind wurde. Um dem damaligen Schmerz nicht ständig ausgeliefert zu sein, wurde diese Erinnerung abgespalten. Das dunkle Kind geisterte nun durch die seelischen Landschaften und zog immer wieder Partnerinnen an, wie er mir sagte, die er nicht wirklich liebte und die ihn früher oder später wieder verlassen hätten. Dadurch sei in ihm der Glaubenssatz, dass er nicht attraktiv und liebenswert sei, immer wieder bestätigt worden. Sein dunkles Kind inszenierte solche Situationen immer wieder, um die alte Geschichte zu bestätigen und lebendig zu halten. In diesem Seminar wollen wir uns also den Raum nehmen, um unserem inneren Kind ein Stück näher kommen zu können, indem wir versuchen, einen Weg zu finden, auf dem wir mit ihm wieder in Kontakt kommen können. Dies erfordert von beiden Seiten aus viel Mut, denn der Wahrheit über die Geschichte dieses Kindes, die ja unsere Geschichte ist, wollten wir uns noch nie so gerne aussetzen. Die systemische Aufstellungsarbeit steht hierbei wieder im Vordergrund der Vorgehensweise. Wir werden aber auch ganz gezielte Übungen miteinander durchführen, die uns die Begegnung mit unserem inneren Kind erleichtern können.

Zeit: 17. – 19. Juli 2020, Freitag, 19.00 Uhr bis Sonntag, 17.00 Uhr
Ort: Seminarhaus Sonnentor in Eintürnen/Bad Wurzach
Seminarkosten: 320,00 Euro zzgl. Kosten für Unterkunft und Verpflegung (ca. 100,00 Euro)
Anmeldeschluss: 13. Juli 2020

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